Reiten ist eine Partnerschaft, die auf Vertrauen, Gleichgewicht und Kommunikation beruht. Zwar sind Kraft und Technik wichtig, doch die Art und Weise, wie du atmest, dich bewegst und auf dein Pferd reagierst, kann jeden Ritt prägen. Yoga unterstützt Reiterinnen und Reiter, indem es Gleichgewicht, Rumpfstabilität, Beweglichkeit und Körperbewusstsein verbessert und zugleich die ruhige, fokussierte Einstellung fördert, auf die Pferde natürlich reagieren.
In diesem Artikel berichtet die Yogalehrerin und Reiterin Melanie darüber, wie Yoga ihre Reitpraxis verändert hat, und stellt die Übungen vor, zu denen sie vor und nach der Zeit im Sattel immer wieder zurückkehrt.
Warum Yoga Reiterinnen und Reiter unterstützt
Yoga hilft, Gleichgewicht und Beckenstabilität zu verbessern, sodass du auch dann sicher bleibst, wenn dein Pferd plötzliche Bewegungen macht. Außerdem stärkt es die connection zwischen Geist und Körper und ermöglicht dir, klare und präzise Signale zu geben, während du dich frei bewegst. Die durch Yoga gewonnene Rumpfkraft unterstützt eine starke und aufrechte Haltung, die für effektives Reiten unerlässlich ist. Darüber hinaus verbessert Yoga die Beweglichkeit der Wirbelsäule und das Körperbewusstsein, wodurch du lernst, deine Muskeln unabhängig voneinander zu kontrollieren. Achtsamkeit für den Atem und Entspannungsübungen fördern Geduld und Gelassenheit, was im Umgang mit stressigen Situationen mit deinem Pferd entscheidend ist.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass deine innere Welt sich auf dein Pferd überträgt. Ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen und das Tempo zu verlangsamen, zeigt deinem Pferd, dass es keine Wachsamkeit braucht - wenn du nervös und gestresst bist, wird dein Pferd das spüren, und das wirkt sich auf dein Training aus! Dasselbe gilt, wenn du versuchst, deinem Pferd etwas Neues beizubringen oder selbst zu lernen - es ist gut möglich, dass es etwas Zeit braucht! Nicht frustriert mit dir selbst und deinem Pferd zu sein, sondern einfach im gegenwärtigen Moment zu bleiben, kann helfen, ein positives Ergebnis hervorzubringen.
Vom Sattel zur Yogamatte
Ich reite seit 15 Jahren, davon 6 Jahre mit regelmäßiger Yogapraxis. Ich habe sowohl körperlich als auch mental eine deutliche Verbesserung gespürt. Innere Ruhe ist eines der wichtigsten Dinge beim Reiten, besonders mit jüngeren oder sensibleren Pferden. Sich der connection zwischen Geist und Körper bewusst zu sein und Techniken zu kennen, um sich aktiv zu beruhigen, hilft dir und deinem Pferd, schwierige Situationen sicher zu bewältigen. Ich begann eine regelmäßige Yogapraxis nachdem ich einen Reitunfall hatte. Nach einigen Wochen Ruhe wusste ich, dass ich wieder in Bewegung kommen musste. Die Workouts, die ich vorher gemacht hatte, waren zu intensiv, also probierte ich Yoga aus und verliebte mich darin! Als ich wieder mit dem Reiten begann, behielt ich meine Yogapraxis bei.
Fünf Yoga-Posen für Reiterinnen und Reiter

Sitzende Drehung im Fersensitz
Anleitung:
- Setze dich im Fersensitz auf deine Fersen. Optional kannst du auf einem Bolster oder Yoga-Block sitzen, um zusätzlichen Komfort zu haben (Bonus: ein Gefühl, das eher dem Sattel ähnelt!).
- Beim Einatmen die Wirbelsäule lang machen, die Arme nach oben strecken und beim Ausatmen nach rechts drehen; die linke Hand auf das rechte Knie und die rechte Hand auf die rechte Hüfte oder hinter dir auf die Matte legen. Sanft nach rechts blicken.
- Ein paar Atemzüge halten, dann zur Mitte zurückkehren und die Seite wechseln.
Vorteile:
- Verbessert die Beweglichkeit der Wirbelsäule und unterstützt dadurch geschmeidigere Bewegungen im Sattel.
- Löst Spannungen in Schultern und Nacken
- Verringert Steifheit im Oberkörper und steigert so den allgemeinen Komfort und die Entspannung.

Katze-Kuh
Anleitung:
- Beginne auf Händen und Knien in der Vierfüßlerposition, mit den Handgelenken unter den Schultern und den Knien unter den Hüften. Option: Gehe auf die Unterarme oder setze dich in die Fersenhaltung für eine handgelenksfreundliche Praxis.
- Einatmen, den Rücken durchhängen lassen (Kuh-Pose), den Blick und das Steißbein sanft anheben, den Bauch sinken lassen.
- Ausatmen, die Wirbelsäule runden (Katzen-Pose), Kinn und Steißbein nach innen ziehen.
- Den Ablauf 3-8 Mal wiederholen und dabei mit dem Atem fließen.
Vorteile:
- Verbessert die Flexibilität der Wirbelsäule, sodass du den Bewegungen des Pferdes besser folgen kannst.
- Löst Spannungen im Rücken.
- Fördert die Körper- und Atemwahrnehmung.

Balancierender Vierfüßlerstand
Anleitung:
- Beginne im Vierfüßlerstand mit den Handgelenken unter den Schultern und den Knien unter den Hüften.
- Strecke den rechten Arm nach vorne und das linke Bein nach hinten aus, wobei Hüften und Oberkörper parallel zur Matte bleiben.
- Variationen zur Bewegungsergänzung:
- Arm und Bein nach hinten, um Handgelenk und Sprunggelenk auszudrehen, die Gelenkbeweglichkeit zu erhöhen und die Gelenke unabhängig von den Gliedmaßen zu bewegen.
- Arm und Bein absenken und anheben, um die Rumpf- und Rückenmuskulatur zu stärken.
- Arm und Bein seitlich ausstrecken (diagonale Linie), um die Rumpf- und Rückenmuskulatur zu stärken.
- Halten oder durch die Variationen bewegen, dann die Seite wechseln.
Vorteile:
- Stärkt die Rumpf- und Rückenmuskulatur, die entscheidend ist, um beim Reiten Gleichgewicht und Haltung zu bewahren.
- Verbessert die Koordination zwischen den Bewegungen des Ober- und Unterkörpers.
- Steigert das Gleichgewicht und die allgemeine Stabilität.

Krieger II, Seitwinkel, umgekehrter Krieger Flow
Anleitung:
- Begin in Krieger II: Stelle die Füße weit auseinander und drehe den linken Fuß seitlich auf etwa 90 Grad, wobei die Zehen leicht nach innen zeigen. Beuge das rechte Knie und halte es über dem Sprunggelenk. Die Ferse des vorderen Fußes ist auf den Fußbogen des hinteren Fußes ausgerichtet. Strecke die Arme parallel zum Boden aus, Handflächen nach unten, und richte den Blick über die rechte Hand.
- Wechsle in den Seitwinkel: Lege die rechte Hand oder den Unterarm auf den rechten Oberschenkel, strecke den linken Arm gerade nach oben oder nach vorne, der Oberkörper ist zur Seite gedreht, die Schultern übereinander.
- Wechsle zum umgekehrten Krieger: Strecke dich nach hinten und hebe den rechten Arm über den Kopf, während du die linke Hand am linken Bein hinuntergleiten lässt.
Vorteile:
- Verbessert Stabilität sowie die Kraft von Rumpf, Unterkörper und Beckenboden.
- Fördert Koordination und Geschmeidigkeit und spiegelt die Geschmeidigkeit wider, die beim Reiten erforderlich ist.
- Öffnet Hüften und seitliche Körperpartie und verbessert so Bewegungsumfang und Komfort im Sattel.

Halbe Grätsche
Anleitung:
- Beginne in einem tiefen Ausfallschritt, mit dem rechten Fuß vorne und dem linken Knie auf der Matte. Du kannst deine Hände auf Blöcken oder Büchern abstützen, um die Matte näher zu bringen.
- Mit der Ausatmung schiebe die Hüften nach hinten, strecke dein rechtes Bein in die halbe Grätsche und halte die Hüften gerade ausgerichtet; beuge dich aus der Hüfte nach vorne, um eine tiefe Dehnung in der rechten hinteren Oberschenkelmuskulatur zu spüren. Du kannst die Knie leicht gebeugt lassen oder den Oberkörper aufrecht halten.
- Halte die Position für einige Atemzüge und wechsle dann die Seite.
Vorteile:
- Dehnt die Hüftbeuger, hinteren Oberschenkelmuskeln und Waden und hilft so, die Beine besser zu positionieren.
- Verbessert Balance und Beweglichkeit im Unterkörper, was für einen sicheren Sitz unerlässlich ist.
Yoga-Praxis für Reiter*innen
Im Folgenden findest du ein 15-minütiges Yoga-Video, das speziell dazu entwickelt wurde, deine Reitpraxis zu begleiten. Danach findest du eine Auswahl der fünf besten Yoga-Positionen mit einer Beschreibung und ihren Vorteilen für Reiter – doch natürlich ist jede Yoga-Praxis förderlich für das Reiten.
Wenn du dir diese Zeit für dich selbst nimmst, verbesserst du nicht nur deine körperlichen Fähigkeiten, sondern förderst auch eine mentale Ruhe, die sowohl dir als auch deinem Pferd zugutekommt. Begleite mich auf dieser Reise und verbessere dein Reiten durch achtsame Bewegung. Dein Pferd wird es dir danken!
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